Putz trocknen: Alle Faktoren, Methoden & Tipps vom Experten

Die richtige Trocknung von Putz ist ein entscheidender Schritt für ein erfolgreiches Bau- oder Renovierungsprojekt – und oft unterschätzt. Dieser Ratgeber bietet umfassende Informationen und praktische Anleitungen für die optimale Putztrocknung. Wir erklären, warum die Trocknungsphase so wichtig ist, welche Faktoren sie beeinflussen und welche Risiken bei unsachgemäßer Trocknung entstehen können.

Sie fragen sich, wie Sie Schimmel und Risse vermeiden? Sie erfahren, wie Sie die Feuchtigkeit im Putz korrekt messen, welche Trocknungsmethoden es gibt und wie Sie die optimalen Bedingungen für verschiedene Putzarten schaffen. Von den Grundlagen der Putztrocknung über spezielle Aspekte wie Schimmelprävention und Trocknung bei Sanierungsarbeiten bis hin zu konkreten Handlungsempfehlungen und Fallbeispielen – dieser Ratgeber deckt alle relevanten Themen ab.

Egal, ob Sie Hausbesitzer, Bauherr oder Profi sind, hier finden Sie das nötige Wissen, um Ihren Putz sicher und effektiv trocknen und so die Grundlage für ein langlebiges und gesundes Wohnklima zu schaffen. Und wenn es mal schneller gehen muss, zeigen wir Ihnen, wie Sie mit professionellen Bautrocknern Zeit sparen und Schäden vermeiden.

1. Einleitung

Putz ist ein wesentlicher Bestandteil vieler Bauwerke, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich. Er dient nicht nur der ästhetischen Gestaltung, sondern auch dem Schutz der Bausubstanz und der Regulierung des Raumklimas. Eine oft unterschätzte, aber entscheidende Phase bei der Verarbeitung von Putz ist die Trocknungsphase. Eine fachgerechte Putztrocknung ist die Grundvoraussetzung für ein langlebiges und qualitativ hochwertiges Ergebnis. Fehler in dieser Phase können zu erheblichen Schäden führen, wie Rissbildung, Abplatzungen, Schimmelbildung und einer verminderten Haftung für nachfolgende Beschichtungen (z.B. Farbe, Tapeten). Das muss nicht sein!

Dieser Ratgeber richtet sich an Privatpersonen wie Hausbesitzer und Bauherren, aber auch an Profis, die ihr Wissen vertiefen möchten.

Wir werden verschiedene Putzarten (Gipsputz, Kalkputz, Zementputz, Lehmputz) und ihre spezifischen Trocknungsanforderungen beleuchten. Dabei gehen wir auf die chemischen und physikalischen Prozesse ein, die während der Trocknung ablaufen, und erklären, warum eine kontrollierte Trocknung so wichtig ist. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Putztrocknung optimal gestalten, welche Messmethoden es gibt und wie Sie typische Fehler vermeiden.

Putz trocknen: so trocknen sie professionell

2. Hauptteil

2.1 Grundlagen der Putztrocknung: Was passiert und warum ist es wichtig?

Was viele nicht wissen: Beim Putz trocknen passiert mehr, als man denkt. Es laufen komplexe chemische und physikalische Prozesse ab. Es geht nicht nur darum, dass das Wasser einfach verdunstet. Vielmehr reagieren die Bindemittel im Putz (Zement, Kalk, Gips) mit dem Wasser und/oder der Luft und bilden so eine feste Struktur – die Grundlage für Ihre Wände! Diesen Prozess nennt man Hydratation (bei zementbasierten Putzen) bzw. Carbonatisierung (bei Kalkputz). Bei der Hydratation verbindet sich der Zement mit dem Anmachwasser und bildet kristalline Strukturen, die dem Putz seine Festigkeit geben. Bei der Carbonatisierung reagiert der Kalk mit dem Kohlendioxid (CO2) aus der Luft und bildet Calciumcarbonat – ein hartes, kristallines Material. Die Putztrocknung ist also ein chemischer und physikalischer Prozess, der Zeit braucht.

Warum ist die Trocknungszeit beim Putz so wichtig? Ganz einfach: Eine korrekte Putztrocknung ist entscheidend für die Qualität und Langlebigkeit Ihrer Wände. Wird der Putz zu schnell getrocknet (z.B. durch extreme Hitze oder Zugluft), können Risse entstehen oder er kann sich sogar vom Untergrund lösen. Der Grund: Die Bindemittel hatten nicht genug Zeit, ihre volle Festigkeit zu entwickeln. Wird der Putz zu langsam getrocknet oder bleibt er dauerhaft zu feucht, drohen Schimmelbildung, Ausblühungen und ebenfalls eine verringerte Endfestigkeit – und das kann teuer werden!

Eine zu hohe Restfeuchte kann außerdem Probleme verursachen, wenn Sie den Putz streichen, tapezieren oder fliesen möchten. Die Feuchtigkeit wird dann eingeschlossen und kann zu Schäden an den nachfolgenden Beschichtungen führen. Ein optimal getrockneter Putz dient zudem als eine Art Feuchtepuffer, der die Feuchtigkeit der Raumluft aufnimmt und bei Bedarf wieder abgibt, was zu einem angenehmen Raumklima beiträgt.

Einflussfaktoren auf die Trocknungszeit, wenn Sie Putz trocknen lassen:

  • Putzart: Gipsputz trocknet in der Regel schneller als Kalk- oder Zementputz. Jede Putzart hat ihre eigenen Trocknungseigenschaften (siehe 4.2).
  • Schichtdicke: Je dicker die Putzschicht, desto länger dauert die Putztrocknung, da das Wasser aus den tieferen Schichten erst an die Oberfläche gelangen muss.
  • Umgebungstemperatur: Ideal sind 15 bis 20°C. Höhere Temperaturen beschleunigen zwar die Putztrocknung, können aber auch zu Rissen führen (Oberfläche trocknet zu schnell). Niedrigere Temperaturen verlangsamen die Trocknung und können bei Zementputz die Festigkeitsentwicklung beeinträchtigen.
  • Luftfeuchtigkeit: Eine niedrige Luftfeuchtigkeit ist optimal, da die Luft dann mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Hohe Luftfeuchtigkeit verlangsamt die Putztrocknung und erhöht das Schimmelrisiko. Die optimale relative Luftfeuchtigkeit hängt von der Putzart ab.
  • Luftzirkulation (Belüftung): Gute Belüftung ist entscheidend, um feuchte Luft abzutransportieren. Regelmäßiges Stoßlüften ist besser als Dauerlüften mit gekippten Fenstern. Leichte Luftbewegung ist gut, extreme Zugluft kann aber zu Rissen führen.
  • Untergrundbeschaffenheit: Ein saugfähiger Untergrund (z.B. Ziegel) entzieht dem Putz schneller Wasser als ein nicht saugfähiger (z.B. Beton). Das beeinflusst die Trocknungszeit. Ein zu stark saugender Untergrund kann aber auch problematisch sein, da er dem Putz zu schnell Wasser entzieht.

2.2 Putzarten und ihre Trocknungseigenschaften

Putz besteht grundsätzlich aus Sand, Wasser und einem Bindemittel. Je nach verwendetem Bindemittel unterscheidet man verschiedene Putzarten, die sich in ihren Eigenschaften und Trocknungszeiten erheblich unterscheiden:

  • Kalkputz: Kalkputz ist ein mineralischer Putz, der aus Kalk, Sand und Wasser besteht. Er ist diffusionsoffen, d.h., er lässt Wasserdampf durch, und wirkt feuchtigkeitsregulierend. Kalkputz nimmt überschüssige Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und gibt sie bei Bedarf wieder ab. Dadurch trägt er zu einem gesunden Raumklima bei und hemmt auf natürliche Weise das Wachstum von Schimmelpilzen.
    • Trocknung: Kalkputz trocknet am besten auf natürliche Weise durch Lufttrocknung.
    • Trocknungszeit: Als Faustregel gilt: 1 Tag Trocknungszeit pro Millimeter Putzdicke. Die "Standzeit" (Zeit bis zur Weiterverarbeitung, z.B. Streichen oder Auftragen einer weiteren Putzschicht) kann jedoch länger sein, da der Kalkputz Zeit benötigt, um vollständig zu carbonatisieren.
    • Optimale Bedingungen: Ideale Raumluftfeuchte: 40-60%. Temperatur: Nicht unter +5°C (idealerweise zwischen 10°C und 25°C).
    • Vermeidung von Trocknungsschäden:
      • Untergrund vor dem Verputzen gut vornässen, um ein zu schnelles Wegschlagen des Wassers zu verhindern.
      • Frischen Putz in den ersten Tagen vor zu schneller Austrocknung schützen (keine extreme Zugluft, keine direkte, intensive Sonneneinstrahlung).
      • Bei Bedarf (z.B. bei sehr trockenem Wetter) den Putz leicht nachwässern.
    • Werkzeuge: Mauerkelle, Glättekelle/Kartätsche, Schwamm/Reibebrett/Filzbrett.

 

  • Gipsputz: Gipsputz ist ein mineralischer Putz auf Gipsbasis. Er ist besonders beliebt für Innenräume, da er eine sehr glatte Oberfläche ergibt und schnell trocknet. Gipsputz ist ebenfalls diffusionsoffen, aber nicht in dem Maße feuchtigkeitsregulierend wie Kalkputz.
    • Trocknung: Gipsputz kann sowohl natürlich als auch technisch (z.B. mit Bautrocknern) getrocknet werden. Technische Trocknung wird oft empfohlen, um den Prozess zu beschleunigen und das Risiko von Schimmelbildung zu verringern.
    • Trocknungszeit: Unter günstigen Bedingungen (gute Belüftung, optimale Temperatur) kann Gipsputz bereits nach etwa 14 Tagen trocken sein.
    • Optimale Bedingungen: Ausreichende Belüftung ist entscheidend, um die Bildung einer Sinterschicht (eine dünne, harte Schicht an der Oberfläche, die die weitere Trocknung behindert und die Haftung nachfolgender Beschichtungen verschlechtert) zu vermeiden.
    • Temperatur: Nicht unter +5°C (idealerweise zwischen 10°C und 25°C).
    • Vermeidung von Trocknungsschäden:
      • Direkte Hitzestrahlung auf den Putz vermeiden (z.B. durch Heizstrahler).
      • Ungenügende Lüftung vermeiden.
      • Vor dem Verputzen: Lose Teile entfernen, Löcher/Risse füllen, Oberfläche aufrauen oder grundieren (insbesondere bei glatten, nicht saugenden Untergründen).
      • Putz in Schichten auftragen und jede Schicht trocknen lassen, bevor die nächste aufgetragen wird (besonders wichtig bei dickeren Putzschichten).

 

  • Zementputz: Zementputz ist ein sehr robuster und wasserabweisender Putz, der aus Zement, Sand und Wasser besteht. Er eignet sich sowohl für Innen- als auch für Außenbereiche, insbesondere für Feuchträume (z.B. Badezimmer, Keller) und als Sockelputz.
    • Trocknung: Im Außenbereich ist in der Regel eine natürliche Trocknung ausreichend, da die Witterungseinflüsse (Wind, Sonne) die Trocknung unterstützen. Im Innenbereich kann die Trocknung durch Bautrockner unterstützt werden, insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit oder niedrigen Temperaturen.
    • Trocknungszeit: Zementputz benötigt deutlich länger zum Trocknen als Gips- oder Kalkputz. Die vollständige Aushärtung und Erreichung der maximalen Festigkeit kann mehrere Wochen (bis zu 28 Tage und länger) dauern.
    • Optimale Bedingungen: Temperatur: Nicht unter +5°C (idealerweise zwischen 10°C und 25°C).
    • Vermeidung von Trocknungsschäden:
      • Frischen Putz in den ersten Tagen vor direkter, intensiver Sonneneinstrahlung und starkem Wind schützen.
      • Bei trockenem Wetter den Putz ggf. mit Wasser befeuchten (verhindert zu schnelles Austrocknen und Rissbildung, fördert die Hydratation des Zements).
      • Vor dem Verputzen: Lose Teile entfernen, Löcher/Risse füllen, Oberfläche aufrauen oder grundieren.
      • Putz in Schichten auftragen und jede Schicht trocknen lassen, bevor die nächste aufgetragen wird.
      • Ausnahme von der Regel "weich auf hart" bei Wärmedämmputzen und WDVS (Wärmedämmverbundsystemen) beachten: Hier muss der Unterputz härter sein als der Oberputz, um Rissbildung zu vermeiden.
      • Putzmaterial trocken lagern, um Feuchtigkeitsaufnahme vor der Verarbeitung zu verhindern.

 

  • Kalkzementputz: Kalkzementputz kombiniert die Eigenschaften von Kalk- und Zementputz. Er ist widerstandsfähiger als reiner Kalkputz und weniger anfällig für Risse als reiner Zementputz. Er ist diffusionsoffen und eignet sich für viele Anwendungsbereiche.
    • Optimale Bedingungen: Ideale relative Luftfeuchte: 75%. Die Trocknungszeit liegt zwischen der von Kalk- und Zementputz.

 

  • Lehmputz: Lehmputz ist ein natürlicher und ökologischer Putz aus Ton, Sand und pflanzlichen Fasern. Er ist besonders feuchtigkeitsregulierend und sorgt für ein sehr angenehmes Raumklima.
    • Trocknung: Lehmputz trocknet in der Regel an der Luft. Er sollte jedoch vor zu schneller Trocknung geschützt werden.
    • Trocknungszeit: Abhängig von Schichtdicke und Umgebungsbedingungen.
    • Optimale Bedingungen: Gute Belüftung, keine direkte Sonneneinstrahlung, Temperaturen über 5°C.

 

  • Kunstharzputz/Acrylatputz: Dies sind organisch gebundene Putze, die oft als Oberputze auf Wärmedämmverbundsystemen verwendet werden.
    • Trocknung: Erfolgt durch Verdunsten des Wassers und Filmbildung der Kunstharze.
    • Trocknungszeit: Relativ schnell, abhängig von den Umgebungsbedingungen.
    • Optimale Bedingungen: Gute Belüftung, Temperaturen über 5°C.

 

  • Zuschlagstoffe und Additive: Zuschlagstoffe wie Sand, Splitt, Blähton oder Kunststoffgranulat beeinflussen die Eigenschaften des Putzes (z. B. Festigkeit, Wärmedämmung, Gewicht). Additive wie Trocknungsbeschleuniger, Pigmente, Haftverbesserer oder Hydrophobierungsmittel können die Verarbeitung, die Trocknung und die Eigenschaften des Putzes zusätzlich verändern. Trocknungsbeschleuniger werden beispielsweise eingesetzt, um die Trocknungszeit zu verkürzen, insbesondere bei ungünstigen Witterungsbedingungen.

2.3 Putzfeuchte messen: Methoden und optimale Werte

Um sicherzustellen, dass der Putz ausreichend getrocknet ist, bevor weitere Arbeiten (z.B. Streichen, Tapezieren, Fliesenlegen) durchgeführt werden, ist eine Feuchtigkeitsmessung unerlässlich. Eine zu hohe Restfeuchte im Putz kann zu erheblichen Schäden führen, wie z.B. Schimmelbildung, Ablösen von Beschichtungen oder Rissbildung.

Es gibt verschiedene Methoden, um die Restfeuchte im Putz zu bestimmen:

  • CM-Messung (Calciumcarbid-Methode): Die CM-Messung ist die gängigste, zuverlässigste und von Gerichten anerkannte Methode zur Bestimmung der Restfeuchte im Putz, insbesondere bei mineralischen Putzen.
    • Funktionsweise: Eine repräsentative Probe des Putzes wird aus tieferen Schichten (nicht nur von der Oberfläche) entnommen und in ein spezielles Druckgefäß, das CM-Gerät, gegeben. Dort reagiert das im Putz enthaltene Wasser mit Calciumcarbid, wodurch Acetylengas entsteht. Der entstehende Druck wird an einem Manometer gemessen und ist proportional zur Feuchtigkeitsmenge im Putz. Mithilfe einer Tabelle kann der Druckwert in den Feuchtigkeitsgehalt in Prozent umgerechnet werden.
    • Anwendung:
      • Probenentnahme: Mit Hammer und Meißel eine Putzprobe aus einer tieferen Schicht entnehmen (ca. 20-50g, je nach Gerät). Die Probe sollte nicht nur von der Oberfläche stammen.
      • Probe zerkleinern: Die entnommene Putzprobe wird mit einem Hammer oder einer Zange zerkleinert.
      • Wiegen: Die zerkleinerte Probe wird genau gewogen (die benötigte Menge variiert je nach CM-Gerät).
      • Einfüllen: Die Probe wird zusammen mit einer Stahlkugel und einer Calciumcarbid-Ampulle in das CM-Gerät gegeben.
      • Verschließen: Das CM-Gerät wird fest verschlossen.
      • Schütteln: Das Gerät wird kräftig geschüttelt, um die Ampulle zu zerbrechen und die Reaktion zwischen Calciumcarbid und Wasser zu starten.
      • Druck ablesen: Nach einer bestimmten Zeit (siehe Herstellerangaben) wird der Druck am Manometer abgelesen.
      • Umrechnung: Mithilfe einer Tabelle (die dem CM-Gerät beiliegt) wird der Druckwert in den Feuchtigkeitsgehalt in Prozent (Masse-%) umgerechnet.
    • Vor- und Nachteile:
      • Vorteile: Genau, zuverlässig, anerkanntes Verfahren, relativ einfach durchzuführen.
      • Nachteile: Zerstörende Methode (Putzprobe wird entnommen), erfordert ein CM-Gerät (Anschaffungskosten).

 

  • Elektrische Widerstandsmessung: Diese Methode misst den elektrischen Widerstand des Putzes. Da feuchter Putz eine höhere Leitfähigkeit hat als trockener Putz, kann daraus auf den Feuchtigkeitsgehalt geschlossen werden.
    • Funktionsweise: Zwei Elektroden werden in den Putz gesteckt (oder auf die Oberfläche aufgesetzt), und ein Messgerät misst den elektrischen Widerstand zwischen den Elektroden.
    • Vor- und Nachteile:
      • Vorteile: Einfache und schnelle Anwendung, zerstörungsfrei (keine Probenentnahme erforderlich), kostengünstige Geräte erhältlich.
      • Nachteile: Weniger genau als die CM-Methode, Messergebnisse können durch Salze im Putz (z.B. bei Altbauten oder Sanierungen) verfälscht werden, misst nur oberflächennah.

 

  • Darr-Methode: Die Darr-Methode ist die genaueste, aber auch aufwendigste Methode zur Bestimmung der Restfeuchte.
    • Funktionsweise: Eine Putzprobe wird genau gewogen, in einem Trockenschrank bei hoher Temperatur (ca. 105°C) getrocknet, bis sie kein Gewicht mehr verliert (d.h., bis das gesamte Wasser verdunstet ist), und anschließend erneut gewogen. Der Gewichtsverlust entspricht dem ursprünglichen Wassergehalt der Probe.
    • Vor- und Nachteile:
      • Vorteile: Sehr genau, Referenzmethode.
      • Nachteile: Zeitaufwendig (mehrere Stunden Trocknungszeit), zerstörende Methode, erfordert einen Trockenschrank und eine genaue Waage (Laborausrüstung).

 

Welche Messmethode ist die richtige?

  • Für Hausbesitzer: Wenn Sie nur gelegentlich eine einfache und schnelle Überprüfung der Putztrocknung benötigen, ist die elektrische Widerstandsmessung eine praktikable und kostengünstige Option. Beachten Sie jedoch, dass diese Methode weniger genau ist als die CM-Messung.
  • Für Bauherren und Profis: Wenn Sie genaue, zuverlässige und gerichtsfeste Ergebnisse benötigen (z.B. für die Abnahme von Bauleistungen), ist die CM-Messung die empfohlene Methode. Sie ist zwar etwas aufwendiger, liefert aber die präzisesten Werte. Die Darr-Methode ist noch genauer, wird aber aufgrund des hohen Aufwands meist nur in Labors eingesetzt. Für private Bauherren empfiehlt sich die elektrische Widerstandsmessung für eine erste Prüfung.

 

Ideale Feuchtigkeitswerte (Restfeuchte):

Die idealen Feuchtigkeitswerte variieren je nach Putzart und nachfolgenden Arbeiten. Als allgemeine Richtwerte gelten (Messung mit der CM-Methode):

  • Gipsputz: < 1,0 %
  • Kalkputz: < 0,5 %
  • Kalkzementputz: < 1,5 %
  • Zementputz: < 2,5 % (für dampfdiffusionsoffene Beläge) bzw. < 2,0 % (für dampfdiffusionsdichte Beläge)

Wichtig: Diese Werte dienen der Orientierung. Für spezifische Anwendungen (z.B. Verlegung bestimmter Bodenbeläge, Auftragen spezieller Farben oder Beschichtungen) sollten Sie immer die Herstellerangaben der verwendeten Produkte beachten oder einen Fachmann (z.B. Stuckateur, Maler, Bodenleger) konsultieren. Im Zweifelsfall ist es immer besser, auf Nummer sicher zu gehen und lieber etwas länger zu trocknen, als Schäden durch zu hohe Restfeuchte zu riskieren.

2.4 Putz schneller trocknen: Methoden & Technik

Die natürliche Putztrocknung durch Lüften ist die einfachste und günstigste Methode. Sie funktioniert optimal bei warmem, trockenem Wetter und guter Durchlüftung.

Aber was, wenn das Wetter nicht mitspielt? Oder wenn Sie unter Zeitdruck stehen? Bei ungünstigen Bedingungen (hohe Luftfeuchtigkeit, niedrige Temperaturen, dicke Putzschichten, Neubaufeuchte) kann die Trocknung sehr lange dauern oder sogar unzureichend sein. Dann kann es sinnvoll sein, den Putz schneller zu trocknen – mit technischen Hilfsmitteln:

Putz mit Bautrockner schneller trocknen
  • Bautrockner (Kondenstrockner): Diese Geräte sind oft die erste Wahl, wenn es darum geht, Putz zuverlässig und schnell zu trocknen. Sie entziehen der Raumluft aktiv Feuchtigkeit und kondensieren sie in einem Behälter. Das beschleunigt den Trocknungsprozess erheblich und minimiert das Risiko von Schimmelbildung und anderen Feuchteschäden. Kondenstrockner sind besonders effektiv bei hoher Luftfeuchtigkeit und moderaten Temperaturen. In vielen Fällen ist der Einsatz von Bautrocknern die effektivste und sicherste Methode, um optimale Ergebnisse zu erzielen und Zeit zu sparen.
  • Adsorptionstrockner: Werden eher bei niedrigen Temperaturen verwendet.
  • Ventilatoren: Ventilatoren allein trocknen den Putz nicht, aber sie unterstützen die Luftzirkulation erheblich. Sie beschleunigen die Verdunstung, indem sie die feuchte Luft vom Putz wegtransportieren und für eine gleichmäßige Verteilung der trockeneren Luft im Raum sorgen. Sie sollten immer in Kombination mit Bautrocknern oder beim natürlichen Trocknen eingesetzt werden. Achten Sie auf eine gute Luftverteilung im Raum.
  • Heizgeräte: Können zusätzlich eingesetzt werden, um die optimale Raumtemperatur zu erreichen.

Achten Sie beim Einsatz von Bautrocknern und Heizgeräten auf Energieeffizienz. Wählen Sie Geräte mit einer hohen Energieeffizienzklasse und vermeiden Sie eine Übertrocknung des Putzes, um unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden. Ein zu schnelles Putz trocknen mit zu hohen Temperaturen kann zu Rissen führen!

3. Spezielle Aspekte

3.1 Putz trocknen: Unterschiede zwischen Innenputz und Außenputz

Der Hauptfokus dieses Ratgebers liegt auf der Trocknung von Innenputz. Während die grundlegenden Prinzipien der Putztrocknung (siehe 4.1) sowohl für Innen- als auch für Außenputz gelten, gibt es einige wichtige Unterschiede:

  • Innenputz: In Innenräumen ist die Trocknung in der Regel besser kontrollierbar. Durch Lüften und den Einsatz von Bautrocknern (siehe 4.4) können Temperatur und Luftfeuchtigkeit gezielt gesteuert werden. Das ermöglicht eine gezielte Beschleunigung der Trocknung und eine bessere Planbarkeit der Bauarbeiten.
  • Außenputz: Bei Außenputz spielen die Witterungsbedingungen (Sonneneinstrahlung, Wind, Regen, Frost) eine entscheidende Rolle. Eine technische Trocknung mit Geräten ist hier in der Regel nicht üblich und meist auch nicht notwendig, da der natürliche Luftaustausch im Freien oft ausreichend ist. Viel wichtiger ist es, den frischen Außenputz vor extremen Witterungseinflüssen zu schützen:
    • Schlagregen: Abdecken mit Planen, insbesondere in den ersten Tagen nach dem Verputzen.
    • Frost: Nicht bei Temperaturen unter +5°C verputzen und den frischen Putz vor Frost schützen.
    • Direkte Sonneneinstrahlung: Bei starker Sonneneinstrahlung kann der Putz zu schnell austrocknen und Risse bekommen. Ggf. mit einem Netz oder einer Plane verschatten. Die Auswahl des richtigen Putzes (z.B. Zementputz für Sockelbereiche, da dieser besonders widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit ist) und die Beachtung der Verarbeitungsrichtlinien des Herstellers sind bei Außenputz besonders wichtig. Für die Trocknung von Außenputz werden in der Regel keine Bautrockner benötigt.
Schimmelprävention Innenputz

3.2 Schimmelprävention

Schimmelbildung auf Putz ist ein häufiges Problem, das durch zu hohe Feuchtigkeit begünstigt wird. Um Schimmel vorzubeugen, ist eine korrekte Putztrocknung unerlässlich. Zusätzlich sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Ausreichende Belüftung: Regelmäßiges Stoßlüften (mehrmals täglich für 5-10 Minuten) sorgt für einen schnellen Luftaustausch und transportiert die feuchte Luft nach draußen. Das ist die wichtigste Maßnahme zur Schimmelprävention.
  • Vermeidung von Wärmebrücken: Wärmebrücken sind Stellen in der Gebäudehülle, an denen mehr Wärme nach außen verloren geht als an anderen Stellen (z.B. an Fensterecken, Balkonanschlüssen). An diesen kühleren Stellen kann sich Kondenswasser bilden, was die Schimmelbildung begünstigt. Eine gute Wärmedämmung hilft, Wärmebrücken zu vermeiden.
  • Kontrolle der Luftfeuchtigkeit: Die relative Luftfeuchtigkeit sollte in Innenräumen idealerweise zwischen 40% und 60% liegen (bei Kalkputz) bzw. unter 75% (bei Kalkzementputz). Ein Hygrometer hilft, die Luftfeuchtigkeit zu überwachen.
  • Behandlung von Ursachen: Bei wiederkehrender Schimmelbildung sollten die Ursachen (z.B. aufsteigende Feuchtigkeit, undichte Stellen im Mauerwerk, bauliche Mängel) behoben werden. Eine Horizontalsperre (mechanisch durch Einbringen von Blechen oder Folien, oder chemisch durch Injektion von Dichtungsmitteln) kann aufsteigende Feuchtigkeit verhindern.

3.3 Trocknung bei Sanierungsarbeiten

Bei Sanierungsarbeiten in Altbauten können besondere Herausforderungen bei der Putztrocknung auftreten. Häufige Probleme sind:

  • Aufsteigende Feuchtigkeit: In alten Gebäuden fehlt oft eine funktionierende Horizontalsperre, so dass Feuchtigkeit aus dem Erdreich in das Mauerwerk aufsteigen kann.
  • Salzausblühungen: Durch die aufsteigende Feuchtigkeit können Salze aus dem Mauerwerk gelöst und an die Oberfläche transportiert werden, wo sie auskristallisieren und den Putz schädigen können (sichtbar als weiße Ablagerungen).
  • Unebene Untergründe: Alte Putzschichten können uneben, rissig oder hohl sein, was die Haftung des neuen Putzes beeinträchtigt.
  • Feuchtes Mauerwerk: Generelle Feuchtigkeit im Mauerwerk, z.B. durch undichte Stellen, Schlagregen oder Kondensation.

Diese Probleme sollten vor dem Verputzen behoben werden, um langfristige Schäden zu vermeiden. Es gibt spezielle Sanierputze, die für die Anwendung auf feuchtem oder salzhaltigem Mauerwerk geeignet sind und die Feuchtigkeit regulieren können.

3.4 Ökologische Aspekte der Putztrocknung

Auch bei der Putztrocknung können Sie auf Nachhaltigkeit achten:

  • Wahl des Putzes: Verwenden Sie möglichst natürliche und ökologische Putzmaterialien wie Kalkputz oder Lehmputz. Diese Putze sind diffusionsoffen, schadstoffarm und tragen zu einem gesunden Raumklima bei. Sie sind in der Regel auch umweltfreundlicher in der Herstellung als zementbasierte Putze.
  • Energieeffiziente Trocknung: Nutzen Sie in erster Linie die natürliche Trocknung durch Lüften. Das spart Energie und Kosten. Wenn Sie Bautrockner einsetzen, wählen Sie Geräte mit einer hohen Energieeffizienzklasse (A+++) und vermeiden Sie eine Übertrocknung des Putzes. Stellen Sie die Geräte richtig ein (siehe Herstellerangaben) und nutzen Sie ggf. Zeitschaltuhren.

4. Vor-/Nachteile/Chancen/Risiken

Im Folgenden finden Sie einen Vergleich verschiedener Methoden zur Bautrocknung. Klappen Sie die einzelnen Abschnitte auf, um mehr über die jeweiligen Vorteile, Nachteile, Chancen und Risiken zu erfahren.

Natürliche Trocknung

Vorteile:

Kostengünstig, umweltfreundlich, keine Geräte erforderlich.

Nachteile:

Langsam, abhängig von Witterungsbedingungen, erfordert gute Belüftung, erhöhtes Schimmelrisiko bei ungünstigen Bedingungen.

Chancen:

Zeitersparnis (bei guten Bedingungen: Sonne, Wind, niedrige Luftfeuchte), gesundes Raumklima.

Risiken:

Schimmelbildung, Rissbildung, verzögerte Bauarbeiten, Ausblühungen.

Technische Trocknung (Bautrockner)

Vorteile:

Schnell, effektiv, unabhängig von Witterungsbedingungen, kontrollierbarer Prozess.

Nachteile:

Anschaffungskosten, Energieverbrauch, Lärm, Risiko von Rissbildung bei zu schneller Trocknung.

Chancen:

Beschleunigte Bauarbeiten, Vermeidung von Folgeschäden durch Feuchtigkeit (Schimmel, etc.), bessere Planbarkeit.

Risiken:

Rissbildung, erhöhte Energiekosten, Austrocknung der Raumluft (bei unsachgemäßer Anwendung).

Ventilatoren (Unterstützung)

Vorteile:

Beschleunigen die Trocknung, verbessern die Luftzirkulation, relativ geringer Energieverbrauch.

Nachteile:

Allein nicht ausreichend für die vollständige Trocknung, können bei falscher Positionierung Zugluft verursachen.

Chancen:

Zusätzliche Zeitersparnis, gleichmäßigere Trocknung, verbesserte Wirkung von Bautrocknern.

Risiken:

Zugluft, ungleichmäßige Trocknung (bei falscher Anwendung/Positionierung).

Heizgeräte (Unterstützung)

Vorteile:

Erhöhen die Raumtemperatur und beschleunigen die Verdunstung, besonders effektiv in Kombination mit Bautrocknern im Winter.

Nachteile:

Hoher Energieverbrauch, Risiko von Überhitzung und Rissbildung bei direkter Bestrahlung des Putzes.

Chancen:

Schnelleres Erreichen der optimalen Trocknungsbedingungen, insbesondere in der kalten Jahreszeit.

Risiken:

Rissbildung, ungleichmäßige Trocknung, erhöhte Energiekosten, Brandgefahr (bei unsachgemäßer Anwendung/defekten Geräten).

5. Putz trocknen: Schritt-für-Schritt-Anleitung und Checkliste

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  • Untergrund vorbereiten: Der Untergrund muss sauber, tragfähig und frei von losen Teilen sein (alte Tapetenreste, Staub, lose Putzstücke entfernen). Ggf. Risse und Löcher ausbessern. Bei stark saugenden Untergründen (z.B. Ziegelmauerwerk, Porenbeton) den Untergrund vornässen. Das verhindert, dass der Putz zu schnell Wasser an den Untergrund verliert und reißt. Bei glatten, nicht saugenden Untergründen (z.B. Beton) ggf. eine Haftbrücke auftragen, um die Haftung des Putzes zu verbessern.
  • Putz auswählen: Wählen Sie den richtigen Putz für Ihren Anwendungsbereich (siehe 4.2). Berücksichtigen Sie dabei die Art des Untergrunds, den Einsatzort (Innen- oder Außenbereich, Feuchtraum) und die gewünschten Eigenschaften (z.B. Diffusionsoffenheit, Oberflächenstruktur).
  • Putz anmischen und auftragen: Beachten Sie die Herstellerangaben zum Mischungsverhältnis (Wasser : Putzpulver) und zur Verarbeitung genau. Verwenden Sie sauberes Werkzeug und rühren Sie den Putz klumpenfrei an. Tragen Sie den Putz ggf. in mehreren Schichten auf (besonders bei dickeren Putzschichten oder unebenen Untergründen). Beachten Sie die "Standzeit" zwischen den einzelnen Schichten (siehe Herstellerangaben).
  • Optimale Bedingungen schaffen: Sorgen Sie für eine gute Belüftung (regelmäßiges Stoßlüften: Fenster für 5-10 Minuten weit öffnen, mehrmals täglich). Die ideale Temperatur für die Putztrocknung liegt zwischen 15 und 20°C. Vermeiden Sie extreme Zugluft (z.B. durch dauerhaft gekippte Fenster in Kombination mit starkem Wind) und direkte, intensive Sonneneinstrahlung auf den frischen Putz.
  • Trocknung überwachen: Messen Sie regelmäßig die Restfeuchte im Putz (siehe 4.3). Verwenden Sie dafür ein geeignetes Messgerät (CM-Gerät oder elektrisches Widerstandsmessgerät).
  • Technische Trocknung (optional): Bei Bedarf (z.B. bei hoher Luftfeuchtigkeit, Zeitdruck, dicken Putzschichten) Bautrockner und/oder Ventilatoren einsetzen (siehe 4.4). Achten Sie auf Energieeffizienz (Geräte mit hoher Energieeffizienzklasse wählen) und vermeiden Sie eine Übertrocknung des Putzes (kann zu Rissen führen). Stellen Sie die Geräte gemäß den Herstellerangaben auf und kontrollieren Sie regelmäßig den Wasserstand im Auffangbehälter des Bautrockners.
  • Nachbehandlung: Nach vollständiger Trocknung (Restfeuchtewerte gemäß Abschnitt 4.3 erreicht) kann der Putz weiterbearbeitet werden (z.B. gestrichen, tapeziert, gefliest). Beachten Sie auch hier die Herstellerangaben der verwendeten Produkte (z.B. Wartezeiten, Grundierungen).

Checkliste:

[ ] Untergrund geprüft und vorbereitet (sauber, tragfähig, ggf. vorgenässt/grundiert)?

[ ] Richtigen Putz ausgewählt (passend zum Untergrund und Anwendungsbereich)?

[ ] Herstellerangaben zum Anmischen und Auftragen beachtet?

[ ] Für gute Belüftung gesorgt (regelmäßiges Stoßlüften)?

[ ] Optimale Temperatur eingehalten (15-20°C)?

[ ] Extreme Zugluft und direkte, intensive Sonneneinstrahlung vermieden?

[ ] Restfeuchte regelmäßig gemessen (mit geeignetem Messgerät)?

[ ] Ggf. Bautrockner/Ventilatoren eingesetzt (energieeffizient, korrekt aufgestellt)?

[ ] Putz vollständig durchgetrocknet (Restfeuchtewerte erreicht)?

[ ] Herstellerangaben für nachfolgende Arbeiten beachtet?

6. Fallbeispiele

6.1 Neubau Einfamilienhaus – Gipsputz trocknet zu langsam

Problem:

  • In einem Neubau wurde Gipsputz aufgetragen.
  • Trotz Lüftens trocknet der Putz nur sehr langsam (nach über zwei Wochen ist er immer noch feucht).
  • Die Bauherren sind besorgt wegen möglicher Schimmelbildung und Verzögerungen im Bauablauf. Die Luftfeuchtigkeit im Haus ist hoch.

Analyse:

  • Die langsame Trocknung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine zu hohe Luftfeuchtigkeit im Neubau zurückzuführen.
  • Neubauten enthalten oft noch viel Baufeuchte (Restfeuchte aus dem Estrich, dem Mauerwerk usw.), die erst nach und nach entweicht.
  • Das Lüften allein reicht in solchen Fällen oft nicht aus, um die Feuchtigkeit schnell genug abzuführen.

Lösung:

  • Einsatz von Bautrocknern (Kondenstrocknern) in Kombination mit Ventilatoren.
  • Die Ventilatoren sorgen für eine gute Luftzirkulation und verteilen die trockene Luft gleichmäßig im Raum.
  • Das regelmäßige Stoßlüften wird beibehalten, um die mit Feuchtigkeit angereicherte Luft nach außen zu transportieren.
  • Die Restfeuchte im Putz wird regelmäßig mit einem CM-Gerät kontrolliert.
  • Sobald die Restfeuchte unter 1% liegt, können die weiteren Arbeiten (z.B. Streichen) beginnen.

6.2 Altbausanierung – Schimmelbildung durch falsche Trocknung

Problem:

  • Nach einer Sanierung und dem Neuverputzen eines Kellers mit Kalkzementputz tritt nach kurzer Zeit Schimmel an den Wänden auf.

Analyse:

  • Unzureichende Belüftung: Der Keller wurde nach dem Verputzen nicht ausreichend gelüftet, so dass die Feuchtigkeit nicht entweichen konnte.
  • Zu hohe Restfeuchte im Mauerwerk: Das Mauerwerk war vor dem Verputzen bereits feucht (z.B. durch aufsteigende Feuchtigkeit oder undichte Stellen), und diese Feuchtigkeit wurde durch den neuen Putz eingeschlossen.
  • Fehlende oder defekte Horizontalsperre: Eine fehlende oder beschädigte Horizontalsperre kann dazu führen, dass Feuchtigkeit aus dem Erdreich in das Mauerwerk aufsteigt.

Lösung:

  • Ursachenanalyse: Ein Fachmann (z.B. Bausachverständiger) sollte die Ursache der Schimmelbildung ermitteln.
  • Schimmelentfernung: Der Schimmel muss fachgerecht entfernt werden (Schutzmaßnahmen beachten!).
  • Ggf. Sanierung des Mauerwerks: Wenn das Mauerwerk feucht ist, müssen die Ursachen behoben werden (z.B. Abdichtung von außen, Einbau einer Horizontalsperre, Sanierung von undichten Stellen).
  • Erneutes Verputzen: Nach der Sanierung des Mauerwerks kann der Keller erneut verputzt werden. Dabei sollte ein geeigneter Sanierputz verwendet werden, der diffusionsoffen ist und mit Feuchtigkeit umgehen kann.
  • Sorgfältige Trocknung: Nach dem Verputzen muss der Keller sehr gut belüftet werden. Ggf. müssen Bautrockner eingesetzt werden, um die Trocknung zu beschleunigen und die Luftfeuchtigkeit niedrig zu halten. Regelmäßige Kontrollen der Restfeuchte sind wichtig.

6.3 Außenputz – Schäden durch Frost während der Trocknungsphase

Problem:

  • Ein neu verputzter Außenputz (Zementputz) weist Risse auf, insbesondere an den Kanten und Ecken.

Analyse:

  • Der Putz wurde wahrscheinlich bei zu niedrigen Temperaturen aufgetragen oder war während der Trocknungsphase Frost ausgesetzt.
  • Zementputz darf nicht bei Temperaturen unter +5°C verarbeitet und muss in den ersten Tagen nach dem Auftragen vor Frost geschützt werden.

Lösung:

  • Schadensbegutachtung: Ein Fachmann sollte den Schaden begutachten und feststellen, ob der Putz komplett entfernt werden muss oder ob eine Ausbesserung möglich ist.
  • Entfernung des beschädigten Putzes: Lose und gerissene Putzstellen müssen entfernt werden.
  • Erneutes Verputzen: Das erneute Verputzen sollte bei geeigneten Witterungsbedingungen erfolgen (Temperaturen dauerhaft über +5°C, kein Frost, kein starker Regen oder Wind).
  • Schutz des frischen Putzes: Der frische Putz sollte vor Frost, Schlagregen und direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden (z.B. durch Abdecken mit Planen oder Folien).

Diese Fallbeispiele zeigen typische Probleme, die bei der Putztrocknung auftreten können, und geben Hinweise auf mögliche Lösungen. Sie verdeutlichen, wie wichtig eine sorgfältige Planung und Durchführung der Trocknungsphase ist.

7. FAQ: Antworten auf die häufigsten Fragen

  • Wie lange dauert es, bis Putz trocken ist?

Die Trocknungszeit hängt von der Putzart, der Schichtdicke, der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Belüftung ab. Als grobe Faustregel gilt: 1 Tag pro Millimeter Putzdicke bei Kalkputz. Gipsputz kann unter günstigen Bedingungen schneller trocknen, Zementputz benötigt deutlich länger. Konkrete Angaben finden Sie in Abschnitt 4.2.

  • Kann ich den Putz schneller trocknen?

Ja, durch den Einsatz von Bautrocknern und Ventilatoren kann die Trocknung beschleunigt werden. Achten Sie jedoch darauf, den Putz nicht zu schnell zu trocknen, um Risse zu vermeiden. Beachten Sie die Hinweise in Abschnitt 4.4.

  • Woran erkenne ich, ob der Putz trocken ist?

Eine zuverlässige Methode ist die Messung der Restfeuchte mit einem CM-Gerät (siehe 4.3). Eine elektrische Widerstandsmessung ist eine einfachere, aber ungenauere Alternative. Die Darr-Methode ist sehr genau, aber aufwendig.

  • Was passiert, wenn ich zu früh streiche oder tapeziere?

Wenn der Putz noch zu feucht ist, kann die Feuchtigkeit eingeschlossen werden. Dies kann zu Schimmelbildung, Ablösen der Farbe/Tapete und anderen Schäden (z.B. Blasenbildung) führen.

  • Wie kann ich Schimmelbildung vermeiden?

Sorgen Sie für eine ausreichende Belüftung (regelmäßiges Stoßlüften), kontrollieren Sie die Luftfeuchtigkeit (ideal sind 40-60% bei Kalkputz, unter 75% bei Kalkzementputz), vermeiden Sie Wärmebrücken und trocknen Sie den Putz fachgerecht (siehe Abschnitt 5.2).

  • Welcher Bautrockner ist der richtige für mich?

Kondenstrockner sind am weitesten verbreitet und eignen sich in den meisten Fällen gut für die Putztrocknung in Wohnräumen. Für größere Flächen oder spezielle Anforderungen (z.B. sehr niedrige Temperaturen) können Adsorptionstrockner sinnvoll sein. Die benötigte Leistung des Bautrockners hängt von der Raumgröße, der Putzfläche und der Feuchtigkeitsmenge ab.

  • Muss ich beim Trocknen von Putz heizen?

Die ideale Temperatur für die Putztrocknung liegt zwischen 15 und 20°C. In der kalten Jahreszeit kann Heizen erforderlich sein, um diese Temperatur zu erreichen und zu halten. Vermeiden Sie jedoch direkte Hitzestrahlung auf den Putz (z.B. durch Heizstrahler), da dies zu Rissen führen kann.

  • Was ist der Unterschied zwischen Kalk- und Gipsputz bei der Trocknung?

Kalkputz trocknet langsamer und gibt die Feuchtigkeit nach und nach ab, er ist diffusionsoffen und wirkt feuchtigkeitsregulierend. Gipsputz trocknet in der Regel schneller, ist aber weniger feuchtigkeitsregulierend. Bei Gipsputz ist besonders auf ausreichende Belüftung zu achten, um die Bildung einer Sinterschicht zu vermeiden.

  • Was tun bei Rissen im Putz?

Kleine, oberflächliche Risse (Haarrisse) sind oft unbedenklich und können bei der weiteren Bearbeitung (z.B. Streichen) geschlossen werden. Größere Risse, Setzrisse oder Risse, die sich bewegen, sollten von einem Fachmann begutachtet werden, um die Ursache zu klären und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

  • Darf man während der Putztrocknung lüften?

Ja, regelmäßiges Stoßlüften ist sogar sehr wichtig, um die feuchte Luft abzuführen und durch trockene Luft zu ersetzen. Vermeiden Sie jedoch extreme Zugluft, insbesondere in den ersten Tagen nach dem Verputzen.

  • Kann man mit einem Ventilator den Putz schneller trocknen?

Ja, ein Ventilator unterstützt die Luftzirkulation und beschleunigt die Trocknung, indem er die feuchte Luft vom Putz wegtransportiert und für eine gleichmäßigere Verteilung der trockenen Luft im Raum sorgt. Er sollte in Kombination mit Bautrocknern oder beim natürlichen Trocknen eingesetzt werden.

  • Was ist Restfeuchte?

Die Restfeuchte ist die im Putz verbleibende Feuchtigkeit nach der Trocknung, angegeben in Prozent (Masse-%).

  • Was ist eine Sinterschicht?

Eine Sinterschicht ist eine dünne, harte und dichte Schicht an der Oberfläche von Gipsputz, die entstehen kann, wenn der Putz zu schnell trocknet oder unzureichend belüftet wird. Sie behindert die weitere Trocknung und kann die Haftung nachfolgender Beschichtungen (z.B. Farbe, Tapete) beeinträchtigen.

  • Wie oft sollte ich die Feuchtigkeit messen?

Die Häufigkeit der Messungen hängt vom Fortschritt der Trocknung ab. Zu Beginn sollten Sie häufiger messen (z.B. täglich), später können die Intervalle vergrößert werden (z.B. alle 2-3 Tage).

  • Welche Rolle spielen die Jahreszeiten bei der Putztrocknung?

Im Winter dauert die Putztrocknung in der Regel länger als im Sommer, da die kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann und die Heizungsluft oft trocken ist, was zu schnellem oberflächlichen Trocknen führen kann, während tiefere Schichten noch feucht sind. Im Sommer ist die Trocknung oft schneller, aber es ist wichtig, extreme Hitze und direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden.

8. Fazit

Die fachgerechte Trocknung von Putz ist ein entscheidender Faktor für ein gelungenes Bau- oder Renovierungsprojekt und trägt maßgeblich zur Qualität und Langlebigkeit des Ergebnisses bei. Mit dem Wissen aus diesem Ratgeber sind Sie nun in der Lage, die Putztrocknung optimal zu gestalten – von der Auswahl des richtigen Putzes über die Schaffung idealer Trocknungsbedingungen bis hin zur Überwachung des Fortschritts durch Feuchtigkeitsmessungen.

Denken Sie daran, dass jede Putzart ihre eigenen Besonderheiten hat und dass die Trocknungszeit von vielen Faktoren beeinflusst wird. Eine sorgfältige Planung, die Beachtung der Herstellerangaben und die regelmäßige Kontrolle der Restfeuchte sind der Schlüssel zum Erfolg. Scheuen Sie sich nicht, im Zweifelsfall einen Fachmann zu Rate zu ziehen.

Eine zu schnelle oder ungleichmäßige Trocknung kann ebenso schädlich sein wie eine zu langsame. Risse, Schimmelbildung und Haftungsprobleme können die Folge sein. Investieren Sie also lieber etwas mehr Zeit und Sorgfalt in die Trocknungsphase, um spätere Probleme und teure Nachbesserungen zu vermeiden.

Die natürliche Trocknung durch Lüften ist oft die beste und umweltfreundlichste Methode. Wenn es jedoch schneller gehen muss, die Bedingungen ungünstig sind oder Sie auf Nummer sicher gehen wollen, kann der Einsatz von Bautrocknern eine sehr sinnvolle Lösung sein.

Benötigen Sie einen Bautrockner, um die Trocknung Ihres Putzes zu beschleunigen und Schäden zu vermeiden? Wir finden gemeinsam das passende Gerät für Ihr Projekt! Wir bieten eine große Auswahl an professionellen Bautrocknern für jede Anforderung und beraten Sie gerne bei der Auswahl.

Mit einer sorgfältigen Putztrocknung legen Sie den Grundstein für ein gesundes Raumklima, eine ansprechende Optik und eine dauerhafte Freude an Ihrem Zuhause oder Bauprojekt. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

Zurück

Kontaktieren Sie unseren Fachberater!
Marco Treimer

Geschäftsführer

Bautrocknerverleih Nord

 

12 Jahre Erfahrung in gewerblicher Bautrocknung